Wenn man keine Ahnung hat … – 5 Tipps für konstruktive Diskussionen

One man, one vote – diskutieren Genossen sich zu Tode? Die Frage ist erstens erlaubt und zweitens ist nicht von der Hand zu weisen, dass Genossenschaften das Potenzial zu Labervereinen haben. Einige einfache Tipps helfen aber, das Blabla in Grenzen zu halten. (Übrigens profitieren auch die meisten Nicht-Genossenschaften davon.)

  1. Vorbereiten
    Ernsthaft nervig sind Diskussionsteilnehmer, die komplett unvorbereitet erscheinen aber selbstbewusst einfordern, dass erst mal alle Basics diskutiert werden. Aus Respekt den Kollegen gegenüber empfiehlt es sich wärmstens, die Agenda zu kennen und im Vorfeld geteilte Dokumente gelesen und verstanden zu haben.
  2. Verstehen
    Es ist ein gewaltiger Unterschied, zu hören was, jemand sagt oder zu verstehen, was jemand meint. Zweitens ist nicht leicht aber essenziell, um eine Diskussion voranzubringen.
  3. Perspektive wechseln
    Wenn man sich in die Position des anderen hineindenkt, lassen sich Gegenargumente besser nachvollziehen und Kompromisse schneller finden. (Und manchmal hilft es auch einfach, die eigenen Argumente konsequenter zu vertreten.)
  4. Konzentrieren
    Diskussionsbeiträge werden nicht besser, wenn man sie inhaltlich ausdehnt oder in Endlosschleifen wiederholt. Also beim Thema bleiben und die eigenen Beiträge so kurz und prägnant wie möglich halten.
  5. Einfach auch mal schweigen
    Wenn man keine Ahnung hat, …

Warum noch eine Genossenschaft?

Morgen gründen wir die Synthro eG. Das ist dann die dritte Genossenschaft, an deren Gründung ich beteiligt bin. Die Gründung meiner ersten Genossenschaft hat meine Frau mit den Worten kommentiert: „Genossenschaft hört sich ja ganz nett an, aber ausgerechnet du?“

Damit spielte Sie auf die Tatsache an, dass ich nicht zu den kompromissfreudigsten Menschen gehöre. Ob eine Genossenschaft für mich die richtige Unternehmensform ist, ist daher eine durchaus berechtigte Frage.

Ist sie aber. Und dafür gibt es ein paar gute Gründe:

1) Werte

Die meisten Genossenschaften verfügen über ein recht stabiles Werteverständnis  und leben es sogar. Darin unterscheiden sie sich von vielen Unternehmen, die zwar umfassende Statements zu Corporate Social Responsibility abgeben aber letztendlich Shareholder Value meinen. Mir gefällt der wertebezogene Ansatz.

2) Stabilität

One man, one vote, das genossenschaftliche Prinzip, hört sich für viele  nach endlosen Debatten an. Oder wie ein Kollegen einmal treffend bemerkte: Klingt wie Dinkelsockenträger. Stimmt nicht. Zumindest nicht nach meiner Erfahrung. Es ist vielmehr so, dass man Entscheidungen, die man vor einem ziemlich basisdemokratischen Gremium wie der Generalversammlung vertreten muss, etwas intensiver überdenkt. Das schadet in aller Regel nicht. Es führt eher dazu, dass in der Summe die besseren Entscheidungen getroffen werden. So ist es dann wohl kein Zufall, dass die Genossenschaften die mit Abstand insolvenzsicherste Unternehmensform ist.

3) Coolness

Genossenschaften sind cool. OK, zugegebenermaßen haben das die meisten noch nicht gemerkt. Wir sind aber trotzdem cool: Genossen duzen sich (häufig), uns umweht ein links-exotischer Chic und die Presse von manager-magazin über Focus bis Spiegel berichtet ebenso fasziniert wie wohlwollend über uns.

Alles packen wir’s an. Morgen ist Nummer drei fällig.

 

© 2017 Alexander Knapp

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